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Weder noch

Meinen Sie, es ist leicht?
Meinen Sie, es ist schwer?
Weder noch, glauben Sie mir.

Meinen Sie, es ist faul?
Meinen Sie, es ist fair?
Weder noch, glauben Sie mir.

Man muss nur wissen, man hat niemals ein Zuhause
und dass man niemals ein Zuhause haben wird.
Und dass man, wenn man einmal sagt: "Ich geh
nach Hause", sich höchstwahrscheinlich in der Ausdrucksweise irrt.

Man muss nur denken: Na was schadet schon das
Wandern? Und man darf weder sich noch andren
Leuten grollen. Denn man muss wissen, man ist
ganz so wie die andern.
Nur dass die andern gerade das nicht wissen wolln.

Georg Kreisler: Heute Abend Lola Blau

 

1 Kommentar 21.2.07 21:06, kommentieren

Der Knoten zwischen Geschichte und Ort

"Like here" - "Ungefähr hier", sagt die Frau und deutet mit vager Geste ein Fenster in der Luft an. Sie läuft über eine Wiese. Die Frau erzählt, was wo war und was stattgefunden hat in der Wohnung ihrer Großmutter in Sarajewo. Sie berichtet über die Wohnung zu Lebzeiten ihrer Mutter und nach deren Tod, als sie selbst sie übernommen hatte, bis sie für ein Stipendium vorübergehend nach Frankreich ging. Es kam Krieg nach Bosnien Herzegowina. Die Wohnung wude zerstört und die Frau, es ist Maja Bajevic, blieb in Frankreich.

Das Video ist einfach und erklärt sich von selbst. Was aber passiert genau? Die Künstler Bajevic und Licha betreiben eine besondere Form der Erinnerungsarbeit. Statt Relikte der Vergangenheit hervorzuholen und trauernd zu beschreiben oder über das Verlorene möglichst obektiv zu berichten, zeigen sie eine persönliche Erinnerung als Bewegung duch Raum und Zeit. Maja Bajevic geht den unsichtbaren Grundriss der früheren Wohnung ab, malt die Einrichtungsgegenstände in die Luft und wiederholt dabei die mit ihnen verknüpften Stationen des gelebten Lebens der Familie. Die Bewegung durch den erinnerten Raum und die Verknüpfung mit der Vergangenheit bedingen einander und treiben sich gegenseitig an.

Das Video macht deutlich, wie stark Lebensgeschichten an konktrete Orte gebunden sind. Vielleicht ist Heimat nichts anderes als dieses untrennbare Ineinander von einem bestimmten Raum und der in ihm gelebten Geschichte.

Dies wird meist erst dann bewusst, wenn man diesen Ort aufgrund irgendwelcher Umstände verlässt.

 

ZEIT online, 9.12.2005

 

1 Kommentar 21.2.07 21:22, kommentieren

22.2.07 00:14, kommentieren

Heimatgefühl

Heimat - kann sich auch ganz verschiedene Weise definieren. Ich war einmal für 2 Monate in Südamerika. Da ist dann alles von zuhause ein Stück heimat für Dich. Post von zuhause, deutsches Essen, ein Anruf von daheim, Lieder, die man kennt... Heute - in Deutschland - bedeutet Heimat für mich, innere Zufriedenheit. Sonst ist man sich selbst fremd und fühlt sich nicht heimelig. Heimat sind für mich Menschen, die ich liebe. Diese Menschen machen es einem doch sehr viel leichter überall klarzukommen. Egal wo. Obwohl ich mich im hügeligen Bergland (Schwarzwald und Schwabenländle) wohler fühle. Heimat ist einfach Alltag, seine eigenen 4 Wände, Selbstständigkeit und Zufriedenheit.

1 Kommentar 22.2.07 12:53, kommentieren

Heimweh

Heimat ist das, wonach sich mein Heimweh sehnt.

Amytis war Frau des Königs in der ersten weltstadt der menschlichen Geschichte. Im Babylon unter der Herrschaft ihres Mannes Nebukadnezar II.
In dieser Hochkultur war sie dennoch unglücklich, sie stammte aus dem bewaldeten, grünen Gebiet des antiken Medien (heutiger Iran). Babylon hingegen war trocken und karg, über 500km von ihrem Geburtsort entfernt. Sie hatte Heimweh.


Um seine Frau zu trösten baute Nebukadnezar ein Weltwunder, die hängenden Gärten von Babylon. Sagenumwoben sind sie. Man weiß bis heute nicht, wo sie sich befanden oder wie sie angelegt waren.

Auch nicht, ob sie Amytis halfen Babylon als ihre Heimat zu empfinden.

1 Kommentar 22.2.07 16:36, kommentieren

Heimat und Ort und Zeit

Orte verändern sich mit der Zeit. Zeit kann auch Heimat sein.

"Aber ich lebe doch in der Vergangenheit. Ich kann nur in der Vergangenheit oder in der Zukunft bestehen." (Klostermann, paraphrasiert)

Die Vergangenheit ist ein Ort voller Erlebnisse, welcher in einem Bündel an Gefühlen und Erinnerungen wach ruft. Die Zukunft ist ein Ort voller Abenteuer und Wünsche, welcher spätestens in der Zukunft automatisch ein Teil von uns wird und uns prägt. In der Gegenwart ist man heimatlos. Vielleicht findet man erst im Grab seine Heimat.

1 Kommentar 23.2.07 09:44, kommentieren

Orte und Fremde in dir

Ihr kommt an einen fremden Ort und dieser erweckt in euch sofort Heimatgefühle, weil er so viele Ähnlichkeiten zu ihr aufweist. Das ist Heimat.

Ihr kommt an einen fremden Ort und denkt euch "Hier war ich schon" oder/und "Das kommt mir bekannt vor" oder/und "Ist das ein Déjà Vu?". Das ist Heimat.

Ihr kommt an einen nie betretenen Ort und habt das Gefühl das ihr hier zuhause sein könntet, weil es euch Wärme und Nähe gibt. Das ist Heimat.

Ihr kommt an einen nie gesehenen Ort und wisst, dass ihr hier zuhause sein und nirgendwo anders das Dasein fristen wollt. Das ist Heimat.

3 Kommentare 23.2.07 09:56, kommentieren